Hey! Benji hier. Im Kloster wird gemordet, ein Franziskanermönch ermittelt – und hinter der Kamera beginnt offenbar ein ganz eigener Machtkampf. Jean-Jacques Annaud hat in einem ausführlichen Interview über die Entstehung von „Der Name der Rose“ gesprochen. Dabei fiel sein Rückblick auf F. Murray Abraham deutlich schärfer aus als seine Erinnerungen an Hauptdarsteller Sean Connery.

Annaud verfilmte 1986 Umberto Ecos Roman über den Franziskanermönch William von Baskerville. Sean Connery übernahm diese zentrale Rolle, während F. Murray Abraham den Inquisitor Bernardo Gui spielte. Der Film gehört zu den bekanntesten Arbeiten des französischen Regisseurs, der außerdem „Am Anfang war das Feuer“, „Der Bär“ und „Sieben Jahre in Tibet“ inszenierte.

Anlass für das Gespräch mit dem französischen Magazin Les Années Laser war die UHD-Premiere von „Der Name der Rose“. Das Interview dauerte insgesamt acht Stunden und behandelte Annauds Karriere ausführlich. Nach Angaben der Quelle bewertete FILMSTARTS den Kloster-Thriller mit 4,5 von 5 Sternen – der Meisterwerk-Stempel blieb damit knapp außer Reichweite. Vier Jahrzehnte später sorgt allerdings nicht nur der Film selbst für Gesprächsstoff, sondern auch Annauds Erinnerungen an den Dreh.

Vor Connery war der Regisseur damals gewarnt worden. Der frühere James-Bond-Darsteller galt offenbar als schwierig. Annaud schildert die Zusammenarbeit jedoch vollkommen anders: Mit Connery habe er sich hervorragend verstanden, die gemeinsame Arbeit sei für ihn ein „absoluter Traum“ gewesen. Die Warnungen vor dem berühmten Schauspieler erwiesen sich aus seiner Sicht also als ziemlich treffsichere Fehlprognose. Hollywood-Gerüchte: manchmal weniger Drehbuch als Nebelmaschine.

Seine einzige wirklich schlechte Schauspieler-Erfahrung während der gesamten Karriere verbindet Annaud dagegen mit F. Murray Abraham. Der Schauspieler hatte kurz zuvor für seine Darstellung von Antonio Salieri in Miloš Formans „Amadeus“ den Oscar gewonnen. Laut Annaud habe Abraham nach diesem Erfolg eine schwierige Haltung entwickelt. Der Regisseur beschreibt ihn rückblickend als hochmütig und grundsätzlich unangenehm. Diese Einschätzung stammt ausdrücklich von Annaud; sie ist seine persönliche Erinnerung an die Dreharbeiten, keine unabhängige Bewertung des Schauspielers.

Besonders belastend sei für Annaud gewesen, dass Abraham nicht nur ihm gegenüber schwierig aufgetreten sei, sondern vor allem Sean Connery das Leben erschwert habe. Annaud zufolge ließ Abraham den Statusunterschied zwischen dem frisch ausgezeichneten Oscar-Gewinner und Connery spüren. Connery hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Academy Award erhalten. Seinen Oscar gewann er erst zwei Jahre später für „The Untouchables“.

Auch mit der Pünktlichkeit habe es Probleme gegeben. Für eine geplante Szene sollte Abraham laut Annauds Schilderung um sieben Uhr morgens am Set sein. Er erschien erst gegen Mittag. Das Produktionsteam erinnerte ihn telefonisch an seine vertraglichen Verpflichtungen, doch zunächst habe er sich geweigert zu kommen.

Annaud reagierte nach eigener Darstellung mit einer ungewöhnlichen Ansage: Die Szene werde ans Ende der Dreharbeiten verschoben, und Abraham müsse die dadurch entstandenen Kosten selbst übernehmen. Darauf soll der Schauspieler mit dem französischen „Touché!“ reagiert haben. Anschließend habe er die Kosten tatsächlich bezahlt. Die letzte Szene mit Abraham wurde schließlich am letzten Drehtag aufgenommen. Benji-Urteil: Das ist kein pünktlicher Auftritt, aber immerhin ein bemerkenswert teurer Sinneswandel.

Annaud griff für seine Beschreibung sogar zu einem drastischen Vergleich. Während der Arbeiten an seinem Naturfilm „Der Bär“ war er nach eigenen Angaben einem Angriff durch einen Kodiak-Grizzly ausgesetzt, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Trotzdem, so seine zugespitzte Erinnerung, sei ihm der Bär lieber gewesen als Abraham. Der Regisseur nutzte damit eine extreme persönliche Anekdote, um seine Abneigung besonders deutlich zu machen.

Trotz der Spannungen bescheinigte Annaud Abraham in „Der Name der Rose“ eine unvergessliche Leistung. Der Film bleibt damit ein Werk, bei dem die Leinwandwirkung und die Erfahrungen hinter den Kulissen offenbar weit auseinanderlagen. Sean Connery spielte den Ermittler im Kloster, F. Murray Abraham den Inquisitor – und laut Annaud war nicht der gefürchtete Hauptdarsteller das Problem, sondern ausgerechnet der frisch gekrönte Oscar-Gewinner. Das Ergebnis können wir uns heute in der UHD-Fassung ansehen. Die Drehpausen dagegen hätte wohl niemand freiwillig gesammelt.